AG Kulturgeographie

Praktikentheorie in der Humangeographie

Soziale Praxis ist ein Kernthema der Kultur- und Sozialgeographie – als Untersuchungsgegenstand und konzeptionelle Perspektive. Die Praktikentheorie des US-amerikanischen Sozialphilosophen Theodore Schatzki beschreibt die soziale Welt als Geflecht von miteinander komplex verwobenen Praktiken und entsprechenden materiellen Arrangements. So besteht z.B. eine Demonstration aus der Praktik des Demonstrierens und einem damit verbundenen materiellen Arrangement – Straßen, Demonstranten, Transparenten, usw. Der gleiche Ort (z.B. eine bestimmte Straßenecke) kann im Kontext unterschiedlicher Praktiken (Demonstrieren oder Zur-Arbeit-Fahren) eine vollkommen andere Bedeutung haben. Somit ist die Bedeutung des Raumes nur über die Praktiken erschließbar, die mit ihm in Verbindung stehen. Mit Hilfe dieser Theorie soll es gelingen, soziale Phänomene als das konkrete körperlich-materielle „Tun und Sagen“ und dessen Zusammenhang mit sozialen und materiellen Bedingtheiten zu rekonstruieren.

Im DFG-Projekt „Militarisierte Landschaften – Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges“ (2013-2016) hat Gunnar Maus auf der Grundlage von Schatzkis Theorie den Analyserahmen der „Erinnerungs-landschaft“ als praktikentheoretisches Modell ortsbezogenen Erinnerns entwickelt. Im Forschungs-projekt zur Ernährungssouveränität in Bolivien widmet sich Benno Fladvad politischen Praktiken. Florian Dünckmann beschäftigt sich mit der Frage, wie die grundsätzliche Öffentlichkeit von sozialen Praktiken eine Public Geography bereichern kann. Jens Reda bringt im Rahmen des DFG-Projektes „Engagement und Alltag – Eine Analyse zivilgesellschaftlicher Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen aus praktikentheoretischer Perspektive“ (2018-2019) alltagstheoretische Über-legungen und praktikentheoretische Ansätze in einen Dialog und adressiert so die alltagsweltlichen Dynamiken und Verflechtungen von Praktiken zivilgesellschaftlichen Engagements in ländlichen Räumen.  

Demonstrationszug einer Lehrergewerkschaft in Bolivien (Foto: Benno Fladvad)

 

 

 

 

 

 

 

 

             Demonstrationszug einer Lehrergewerkschaft in Bolivien
(Foto: Benno Fladvad)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen auch auf der Homepage des DFG geförderten wissenschaftlichen Netzwerkes:
www.praktikentheorie.de

 

 

Forschungsprojekte

Militarisierte Landschaften – Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges
(Dr. Gunnar Maus)

Ernährungssouvernäität in Bolivien: Das Konzept der Ehrnährungssouveränität in Bolivien aus politisch-geographischer Perspektive
(Dr. Benno Fladvad)

Engagement und Alltag – Eine Analyse zivilgesellschaftlicher Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen aus praktikentheoretischer Perspektive
(Prof. Dr. Florian Dünckmann, Jens Reda)