AG Kulturgeographie

Metaphern des Wolfes

Metaphorische Produktion von Mensch-Tier-Beziehungen am Beispiel der Rückkehr des Wolfes

M. Sc. Sebastian Ehret

 

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland schlägt in der Gesellschaft hohe Wellen. Seit sich Wölfe im Jahr 2000 erstmals wieder in der Lausitz und von dort ausgehend auch in weiteren Regionen Deutschlands angesiedelt haben, lösen sie vielerorts starke positive wie negative Emotionen bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie bei den verschiedensten Interessensgruppen aus. Dabei spielen sowohl die jahrhundertealten Bilder und Symboliken von Wölfen eine Rolle als auch ihre neue physisch-materielle Anwesenheit.

Dieses Spannungsfeld aus kulturellen Repräsentationen und materieller Kopräsenz macht die Rückkehr des Wolfes für die Kulturgeographie zu einem spannenden Thema. Besonders die Animal Geographies beschäftigen sich nicht nur mit den sozialen und kulturellen Repräsentationen von Tieren, sondern mehr und mehr auch mit posthumanistischen und nicht-repräsentationalen Ansätzen und rücken somit verschiedene Formen tierischer agency und deren Einfluss auf Mensch-Tier-Beziehungen in den Vordergrund.

Zur Untersuchung der aktuellen Mensch-Wolf Beziehungen bedient sich das Forschungsprojekt eines metapherntheoretischen Zugangs. Metaphern werden dabei nicht als reine Stilmittel, sondern als grundlegende Strukturprinzipien unseres Denkens und unserer Wahrnehmung verstanden. In Metaphorisierungsprozessen werden Wissen und Erfahrungen aus bekannten und konkreten Herkunftsbereichen in unbekannte und abstrakte Zielbereiche übertragen, die damit kognitiv zugänglich und verhandelbar werden. Somit lassen sich die diversen kulturellen Bedeutungszuschreibungen an Wölfe analytisch fassen. Gleichzeitig äußern sich aber auch die Kopräsenz von Wölfen und die damit verbundenen Emotionen in situiertem Metapherngebrauch.

Das Forschungsprojekt möchte so zu einem tieferen Verständnis aktueller Mensch-Wolf Beziehungen in Deutschland beitragen.Gustave Dorés Rotkäppchen

 

 

Gustave Doré (1867): Illustration zu Charles Perraults Le Petit Chaperon rouge
(Quelle: gallica.bnf.fr)