AG Kulturgeographie

Workshop "Gemeinsam engagiert" 23.-24.09.2021 in Braunschweig

Ein Bericht zum Workshop wurde im BBE-Newsletter (23/2021) veröffentlicht.

 

Gemeinsam engagiertDas Engagement von Bewohner*innen ist traditionell ein zentraler Bestandteil des dörflichen und kleinstädtischen Lebens. Das Fußballtraining im Sportverein, die Organisation des alljährlichen Dorffestes, kommunalpolitische Tätigkeiten oder der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr – kaum eine dieser Aktivitäten ist ohne den Einsatz und die Verantwortungsübernahme der Bürger*innen vor Ort denkbar. Im Zuge des gegenwärtigen Wandels ländlicher Lebensbedingungen wird in Politik und Wissenschaft darüber hinaus die steigende Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements in vielen weiteren Bereichen des alltäglichen Lebens betont, bspw. in der Sicherstellung der Mobilität oder in der Aufrechterhaltung bzw. Neuschaffung lokaler Versorgungsinfrastrukturen. Während dabei die gemeinschaftliche Verantwortung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure für die Gestaltung der lokalen Lebensverhältnisse unterstrichen wird, sehen sich viele Engagierte mit einer Vielzahl von Heraus-forderungen konfrontiert. Dazu gehören etwa die Ein-haltung gesetzlicher Vorgaben bei der Umsetzung von Veranstaltungen oder Förderprojekten, die Koordination verschiedener ehrenamtlicher Aufgaben oder das Werben um neue Engagierte.

Im Rahmen des Workshops „Gemeinsam engagiert – Verantwortlichkeiten von Bürger*innen, Politik und Wissenschaft für ländliche Räume“ bildeten diese vielfältigen Herausforderungen den Ausgangspunkt, um gemeinschaftlich Ideen für eine erfolgreiche Gestaltung bürgerschaftlichen Engagements in ländlichen Räumen zu entwickeln. Im Austausch mit Aktiven aus der ländlichen Zivilgesellschaft, der ländlichen Engagement- und Förderpolitik und der Wissenschaft wurden die Verantwortungs-strukturen bürgerschaftlichen Engagements eingehender beleuchtet und diskutiert, in welcher Weise die verschiedenen Akteure zu einem kollektiveren Verständnis des Engagements für die lokalen Lebensbedingungen in ländlichen Räumen beitragen können. Konkret interessierten folgende Fragen:

  • In welcher Weise sind engagierte wie nicht-engagierte Bürger*innen für die Gestaltung der lokalen Lebensbedingungen in ländlichen Räumen verantwortlich?
  • Welche Rechte und Pflichten sind mit bürgerschaftlichem Engagement verbunden und wie wird diesen vor Ort nachgekommen?
  • Wie werden Ziele und Verantwortlichkeiten auf der lokalen Ebene ausgehandelt und wer ‚entscheidet‘, wann und wie etwas gemacht wird?
  • Wie können politische und wissenschaftliche Akteure das Engagement von Bürger*innen unterstützen?

 

Die Bearbeitung dieser Fragen erfolgte mithilfe verschiedener Präsentations- und Diskussionsformate an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Neben der inhaltlichen Diskussion wurde den Teilnehmer*innen auch die Möglichkeit geboten, untereinander in den vertieften Erfahrungsaustausch zu gehen.

Der Workshop fand im Rahmen des DFG-geförderten Forschungsprojektes „Engagement und Alltag. Eine Analyse zivilgesellschaftlicher Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen aus praktikentheoretischer Perspektive“ statt, welches in der Arbeitsgruppe Kulturgeographie am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angesiedelt ist. Der Workshop wurde in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Ländliche Räume (Dr. Annett Steinführer, Franziska Lengerer) organisiert und durchgeführt.